Deutsches Literaturinstitut Leipzig: Die Form des Essays

Ab WS 2018 / 19 jeden Dienstag zwischen 18-20 Uhr im Literaturinstitut Leipzig:
https://www.deutsches-literaturinstitut.de/aktuell.html

Thomas Palzer B235-06*
Essayistik, Literaturkritik
Die Form des Essays

Der Essay cruist. Alles, was ihm auf seinem Weg begegnet, kann aufgelesen werden. Der Essay folgt nicht dem Beispiel der Naturwissenschaften, die meinen, alles müsse eindeutig sein und immer von irgendwoher herleitbar. Ein Essay ist nicht der Logik unterworfen. Was sich erklärt, erklärt sich durch das Verhältnis der Worte zueinander.
Der Essay ist eine Geste, insofern die Geste eine Form ist, in der sich Geist und Materie miteinander verbinden, Gedanken mit Sätzen. Was innen liegt – das Subjektive – muss nach außen übersetzt werden, ins Objektive, ein dialektischer Prozess. Inhalte werden nicht durch die Form, sondern als Form ausgedrückt. Dabei entscheidet der Gebrauch der Wörter über den Gegenstand – und der Gegenstand, den man er- wählt hat, über das, was innen und außen ist.

15. – 21. Juli 2018: “Ich bin ein Schriftsteller ohne Sprache”. Begegnung mit Senthuran Varatharajah in Châtau d’Orion

Reden wir über Sprache. Wir benutzen sie selbstverständlich, missbrauchen sie ständig, finden uns darin nicht zurecht, sind sprachlos oder “ein Schriftsteller ohne Sprache”, wie Senthuraran Varatharajah von sich selbst sagt. Ein Paradox oder eine Sehnsucht? Das Ende meiner Sprache ist das Ende meiner Welt, will uns Wittgenstein weismachen. Darüber wollen wir reden, diskutieren, schreiben und am Ende veröffentlichen, was erarbeitet wurde.

Wir stellen uns fragen und suchen gemeinsam nach Antworten oder wenigstens nach Thesen. Was wäre die Welt ohne Sprache? Was bedeutet sie uns? Brauchen wir 8000 verschiedene Sprachen auf dieser Welt? Was, wenn es nur eine gäbe? Welche? Beginnt der Krieg, wenn das Sprechen aufhört? Können wir eine neue Sprache für die Diplomatie erfinden? Ist Identität ohne Sprache denkbar?

An einem der Tage in der Denkwoche werde ich nach der philosophischen Auseinandersetzung mit Sprache fragen – genauer: nach dem Begriff der Repräsentation, der im Mittelpunkt der Debatte steht. Ist der ontologische Status einer sprachlichen Vereinbarung wie der Hochzeit oder der eines Vertrages gleichbedeutend mit dem eines Apfels oder eines Liegestuhls? Existiert ein Gedanke auf die gleiche Weise wie ein Fels?

Zeichen stehen nicht für sich selbst, sondern für das, auf das sie zeigen: das Wort Baum für den Baum da draußen.

Gemäß der Linguistin Elisabeth Leiss wird kontrovers verhandelt, was Sprache eigentlich repräsentiert. In einem kurzen Abriss beschreibt sie die Evolution der sprachphilosophischen Grundpositionen:

• Sprache repräsentiert die Welt

• Sprache repräsentiert nicht die Welt, sondern unsere Gedanken über die Welt.

• Sprache repräsentiert unsere Gedanken über die Welt schlecht

• Sprache repräsentiert nicht nur schlecht; sie repräsentiert nichts.

 

Was repräsentiert die Sprache eines Schriftstellers ohne Sprache – vor der Zunahme der Zeichen?

Reden wir also über Sprache! Um uns zu orientieren, begegnen wir dem Schriftsteller Senthuran Vartharajah in Château d’Orion.

 

Näheres und Anmeldung unter:

Château d’Orion

Joyce DiDonato – mdr artour

Die Mezzosopranistin Joyce DiDonato bei den Händel-Festspielen in Halle

Die gebürtige US-Amerikanerin verbindet ihre einzigartige Stimme mit dem großem Auftritt. Ihr aktuelles Programm “War and Peace – Harmonie durch Musik” ist eine Gratwanderung zwischen traditionellem Gesang und Pop-Show.

Leibniz-Preis 2018: Alessandra Buonanno – ARD-alpha Campus Magazin

 

Es war ein Lebenstraum von Alessandra Buonanno, der dieses Jahr in Erfüllung ging. 15 Jahre lang hat sie an der Modellierung von Gravitationswellen gearbeitet. Nun haben ihre Modelle den Nachweis erbracht: Einstein hat recht behalten.

Mit dem direkten Nachweis von Gravitationswellen, die bei der Kollision zweier schwarzer Löcher entstanden waren, gelang 2015 ein spektakulärer Nachweis der Gültigkeit der Allgemeinen Relativitätstheorie. Ein wesentlicher Baustein für diesen Erfolg waren die von der Direktorin am Max Planck-Institut für Gravitationsphysik, Alessandra Buonanno, entwickelten theoretischen Modelle, die es erlauben, die Signale der Gravitationswellen zu identifizieren und zu interpretieren.

Bereits als Postdoktorandin entwickelte Buonanno zusammen mit Thibault Damour den sogenannten EOB-(Effective One-Body-)Formalismus, eine extrem effiziente Methode, um die Bewegung binärer Systeme und ihre Emission von Gravitationswellen zu beschreiben. Buonanno entwickelte diesen Ansatz weiter, um auch Verschmelzungen von Neutronensternen erfassen zu können. Diese hoch verdichteten, massereichen Sterne werden vor der Verschmelzung deformiert, was Rückschlüsse auf ihre innere Struktur ermöglicht.

Mathematik ist die Sprache der Physik. Und wie mit jeder Sprache lassen sich über mathematische Operationen neue Wege finden. Alessandra Buonanno hat einen Weg gefunden, um aus dem Rauschen des Alls Gravitationswellen herauszufiltern.

Wie aber passen Mathematik und Welt zusammen?

Das Jahr 1968 – mdr artour

 

Das Jahr 1968
Am 11. April 1968 schoss der junge Hilfsarbeiter Josef Bachmann vor dem SDS-Büro am West-Berliner Kurfürstendamm dreimal auf Rudi Dutschke. Er traf ihn zweimal in den Kopf, einmal in die linke Schulter. Dutschke überlebte nur knapp. artour nimmt diesen Termin zum Anlass und berichtet über das Jahr 1968. Im Interview: Zeitzeugin Gretchen Dutschke, die eben erst das Buch “1968: Worauf wir stolz sein dürfen” veröffentlicht hat.
Wir fragen: Woher kommen die Feindbilder, woher die Vorbilder und welche Ziele hatten die Bürgerbewegungen der 70er und 80er Jahre, die mit den Themen Frieden, Frauen und Umwelt, daraus hervorgegangen sind?
Staatsbürger, die aktiv und eigenverantwortlich am öffentlichen Leben teilhaben können.

 

Das Jahr 1968

05. April 2018

Vergleichende Anatomie. Eine Geschichte der Liebe

Thomas Palzer Roman, Vergleichende Anatomie. Matthes & Seitz Berlin.

“Du bist mir zu alt!” Mit diesen unvermittelten Worten beendet die Lebensgefährtin Thomas Palzers eine langjährige, überwiegend glückliche Beziehung, an die er viele Erinnerungen an gemeinsam verbrachte Nächte, Reisen und Gespräche knüpft. Der Verlassene tritt daraufhin aus dem Bett und nackt vor den Spiegel, wagt einen schonungslosen Blick auf seinen Körper und beginnt über das Verhältnis von Sex und Alter zu reflektieren. Mit Anfang 60 fühlt er sich nicht alt, aber erkennt, dass sich etwas verändert hat, doch auch die Sexualiät? Was bedeutet überhaupt Sex im Alter, wenn das gesellschaftliche Bild von Sexualität mit jungen, schönen Körpern verknüpft ist? In seinem sehr persönlichen und zarten autobiografischen Essay geht Palzer diesen Fragen nach, versuchte eine neue Verortung der Sexualiät und eröffnet auf kluge und nachdenkliche Weise einem tabuisiertes Thema Möglichkeiten des offenen gesellschaftlichen Diskurses.

In Vergleichende Anatomie. Eine Geschichte der Liebe – wobei der Untertitel im doppelten Sinn (des Genitivs) gemeint ist – geht es um den Verlust, um Pornographie, Sex im Alter, Behälterlogik, Innenwelt und Außenwelt, um Intimität und darum, dass der Autor, der über all das schreibt, auch selbst von all dem betroffen ist. Ein Memoir und personal essay.

Besprechung von Sophie Stroux auf dem Literaturportal Bayern

Rezension in Weltexpresso

Studienpreis 2017 – ARD-alpha Campus Magazin

Studienpreis 2017 für Julia Strasheim

Wie können Übergangsregierungen als Brücke zwischen Krieg und Frieden dienen? Zu dieser Frage untersuchte Julia Strasheim die politische Situation in Nepal. Für ihre Forschungen in dem von Bürgerkrieg und Erdbeben erschütterten Land hat sie den Studienpreis der Körber-Stiftung bekommen.

Patina

Nach dem „Ort“ widmet sich die aktuelle Ausgabe von der architekt einer weiteren Grundlage der Architektur: dem Material. In verschiedenen Texten von Monika Wagner, Michael Mönninger, Jörg Gleiter und anderen sowie einem Gespräch zwischen Uwe Schröder und Andreas Denk beleuchtet das Heft unterschiedliche Facetten des Begriffs und seiner Wichtigkeit für den architektonischen Entwurf.

PATINA

von Thomas Palzer

in:

MATERIAL. Grundlagen der Architektur II

der architekt 6/17

Lese und bleibe IV

Vom Geist des Buchstabens: Über das Lesen

 

Der Münchner Schriftsteller Thomas Palzer arbeitet, oft unter philosophischen Fragestellungen, neben dem literarischen Schreiben auch als Autor für Radio und Fernsehen. Für seinen Roman Ruin erhielt er 2005 den Tukan-Preis. Zuletzt veröffentlichte er den Roman Nachtwärts. Im kommenden Frühjahr erscheint sein neues Essaybuch Vergleichende Anatomie. Im Literaturportal Bayern reflektiert Thomas Palzer regelmäßig über philosophische Themen, die sich im weiteren Feld von Bibliothek – Schrift – Archiv bewegen. Im vierten Teil seiner Kolumne, der in dieser Woche auch in der neuen Ausgabe der Zeitschrift Literatur in Bayern erscheint, beschäftigt er sich mit dem Lesen – und dem Geist des Buchstabens.

Da wir die Welt lesen können, muss sie voller Spuren sein – reich ausgestattet mit Winken, Hinweisen, Zeichen. Man kann sogar sagen, dass die Welt aus nichts anderem als aus Zeichen besteht. Außer Zeichen kann es in der Welt nichts geben, denn wenn irgendetwas ein Zeichen ist, muss alles Zeichen sein. (Woher sollten wir andernfalls wissen, was Zeichen ist und was nicht?) Welt ist grundsätzlich zeichenhaft.

Ausgezeichnete Professoren – ARD-alpha Campus Magazin

Prämierte Professoren

An der Uni werden die Studierenden beurteilt. Wir drehen den Spieß um und fragen: Wie gut sind die Professoren? Campus Magazin trifft Professoren, die mit ihren Lehrmethoden Preise gewonnen haben.

 

Was ein gutes Studium auszeichnet, ist die Art der Lehre. Die Verbindung von Theorie und Praxis, die Nähe zu den Studenten und ein spielerischer Umgang mit den Lehrinhalten sind wichtige Bausteine für exzellente Vermittlung.